Chemnitzer Zeitzeugen: Wolfgang Ramm


Meine Mutter sowie ich und meine zwei älteren Schwestern (Vater wurde 1940 zur Wehrmacht eingezogen und musste nach Russland) wohnten im Altersheim in Chemnitz, Feldstraße 15 (jetzt Rembrandtstraße) in einer sogenannten Dienstwohnung, da mein Vater als Heizer dort tätig war. Auch die Mutter meiner Mutter, also unsere Oma, wohnte ebenfalls dort.

Ich wurde 1944 in die Schule am Bernsbach Platz (jetzt Hochhaus) eingeschult und musste oftmals wenn Alarm ausgelöst wurde schnell wieder zurück.

Bei Alarm mussten alle Bewohner des Altersheimes in den Luftschutzkeller und auch andere Personen aus naheliegenden Häusern kamen dort hin. So unter anderem auch meine Tante und mein Onkel, welchen das Geschäft „Fahrrad Nollau“ in der Reitbahnstraße gehörte, waren oftmals dort.

Auch in der Bombennacht am 5.März waren sie mit im Luftschutzkeller, was ihr besonderes Glück war, da sie oftmals in den Luftschutzkeller der Schule am Bernsbach Platz gingen und in dieser Nacht dieses Gebäude einen Volltreffer ausgesetzt war und es viele Tote und Verletzte gab. Nur die Turnhalle blieb stehen.

Zur Bombennacht selbst kann ich mich sehr genau erinnern, dass zunächst Brandbomben abgeworfen wurden, die auf die Dächer des Altersheimes fielen und durch männliche Einsatzkräfte versucht wurde, diese von den Dächern zu beseitigen. Von meiner großen Schwester war ihr Freund mit dabei, welcher uns von seinem Einsatz erzählte und nicht zu Schaden kam.

Ich kann mich auch erinnern, dass an diesem Tag Schnee gefallen war oder auch schon welcher lag.

Nachdem wir den völlig überfüllten Luftschutzkeller sicherlich mehrere Stunden verbrachten, informierte eine Mitbewohnerin des Heimes, dass es in unserer Wohnung brennen würde. Meine Mutter ging daraufhin über die Gänge und Treppenhäuser dieses Gebäudes zu unserer Wohnung und konnte uns danach aber mitteilen, dass es nicht brennt, sondern die Helligkeit von den an der Zschopauer Straße brennenden Fabriken kommt und durch die Fenster scheint.

In dem Luftschutzkeller war eine unerträgliche Wärme und viele ältere Bewohner mussten auch ständig versorgt werden.

Plötzlich gab es einen enormen Knall, wobei im Kellergewölbe Sachen durch die Luft flogen und auch die stählerne Luftschutztür herausgerissen wurde und es dadurch Verletzte und auch Tote gab.

Der Einschlag einer sicherlich sehr schweren Bombe ging voll in die im Altersheim eingebaute Kirche, welche völlig zerstört wurde (wurde nicht wieder aufgebaut).

Ich weiß nicht, wie lange es gedauert hat bis es eine Entwarnung gab, jedoch versuchte jeder Mitbewohner des Altersheimes seine Wohnung aufzusuchen, um zu sehen was geschehen war.

Ich weiß nur und kann mich an die eine Sache erinnern, dass meine Mutter und auch andere Menschen mit Decken kamen, um die Toten zuzudecken, welche im Freien im Innenhof des Altersheimes lagen.

Von unseren zahlreichen Verwandten in Chemnitz verloren einige ihre Wohnung und sämtliches Hab und Gut, aber nicht ihr Leben.

 

 

Hier hat der Zeitzeuge seine Geschichte erlebt:

Zeitzeugen-Broschüren

Der ewige März

Titelbild der Broschüre

Erinnerungen an eine Kindheit im Krieg


Die letzten Zeugen

Die letzten Zeugen

Als das alte Chemnitz im Bombenhagel starb

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